Florian und seine Feuerwehr – oder wie der Junge mit dem großen Herzen unseren Verein eroberte

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Es war am Sonntag, den 5. Juni 2011. An diesem Tag fand der jährliche Jahrtag des Krieger- und Reservistenvereins in Aufhausen statt. Um den gefallenen und vermissten Soldaten der Weltkriege zu gedenken, sind die Ortsvereine mit Fahnenabordnungen zum Gottesdienst und einem anschließendem Fahnenzug durch den Ort eingeladen. Wie fast jedes Jahr war auch Florians Vater bei unserer Feuerwehr vertreten. Der Zug führt direkt an ihrem Wohnhaus vorbei und Florian stand begeistert mit seiner Spielzeuggitarre auf dem Balkon und jubelte dem Fahnenzug, der von einer Musikkapelle angeführt wurde, zu.

Seiner Mama war das scheinbar peinlich und sie versuchte verzweifelt den Florian vom Balkon ins Haus zu ziehen. Nach dem Umzug habe ich mit Florians Vater gesprochen, er solle doch den Buben bei der Feuerwehr als Mitglied anmelden, damit er eine Uniform bekommt, dann kann er ja gerne bei den Vereinsterminen mitgehen. Sein Vater meint, das wäre super, da der Florian immer ein Riesen-Drama verbringe, wenn er mit Uniform weg geht. Er würde da so gerne mitgehen. So wurde der Florian also bei unserer Feuerwehr als Mitglied aufgenommen.

Nun ergab es sich aber, dass im Oktober desselben Jahres die Leistungsprüfung von sechs Nachwuchsfeuerwehrlern auf dem Programm stand. Da diese die Prüfung zum ersten Mal ablegten, wurde ihnen ihre Position in der Löschgruppe bereits im Vorfeld zugeteilt und nicht ausgelost, wie es ab der 2. Stufe der Prüfung vorgeschrieben ist. Der siebte Posten in der Gruppe sollte mit einem sogenannten Ergänzer besetzt werden. Ein Feuerwehrler, der bereits eine höhere Stufe bei der Leistungsprüfung abgelegt hat. Es sei denn … in mir reifte ein Gedanke … der Florian soll mitmachen!

Da die Gruppe ja fest eingeteilt war, besetzte ich den leichtesten Posten mit dem Florian. Ich war mir sicher, er würde das packen. Eine große Herausforderung war noch der Knoten, den er dabei binden musste. Den gestochenen Mastwurf mit Spierenstich. Fehlerfrei auf 15 Sekunden! Na gut wenn der nicht klappt, dann hat die Gruppe halt ein paar Fehlerpunkte. Ein bisschen bedenken hatte ich was wohl die Führungsdienstgrade der Feuerwehr sagen würden, wenn sie zur Abnahme der Prüfung kommen. Auf genau diesen Punkt wurde ich von mehreren Personen aus unserer Vorstandschaft auch angesprochen. Ich erwiderte: „Wenn sie den Flo nicht zur Prüfung zulassen, dann trete ich mit sofortiger Wirkung, als Kommandant zurück.“

Am Samstag, den 15. Oktober 2011, war es dann soweit. Ein Gruppenführer, ein Maschinist und sieben junge Feuerwehrler, unter ihnen der Florian, standen im Schutzanzug zur Prüfung bereit. Als unser Kreisbrandinspektor und unser Kreisbrandmeister den Flo unter den Prüflingen entdeckten, bekamen wir sofort Lob von ihnen. Es sei sehr schön, dass wir den Buben mitmachen lassen und bei unserer Feuerwehr einbinden. Mir fiel ein Stein vom Herzen, jetzt musste nur noch die Prüfung gut ablaufen. Los ging das ganze gleich mit den Knoten. Der Flo war als zweiter an der Reihe und zauberte den Knoten, mit einem frechen Lächeln auf den Lippen, in der vorgeschrieben Zeit und ohne Fehler.  Dann folgte der Aufbau der Löschleitungen. Auch hier lief alles wie am Schnürchen. Der Flo wiederholte lautstark sein Kommando und führte es aus.

Und etwas später bekam der Florian dann sein erstes Abzeichen an die Feuerwehruniform angesteckt.

Ja, das ist die Geschichte, wie der Florian zu unserer Feuerwehr kam. Sie zeigt aber nicht, wie der Florian mit seiner Begeisterung und Herzlichkeit die Herzen unserer Feuerwehrdamen und -herren erobert hat. Das ist schwer zu beschreiben, das muss man erlebt haben.

Leider ist der Florian ja jetzt unter der Woche in Ecksberg und kann so nur noch selten zu unseren Übungen kommen. Bei gesellschaftlichen Ereignissen am Wochenende ist er aber oft bei uns und man sieht es ihm an, dass es ihm gefällt, bei seiner Feuerwehr.

Markus Renner
1. Kommandant
FFW-Aufhausen